Wie funktioniert Kreislaufwirtschaft in der Praxis? Welche Rahmenbedingungen braucht eine leistungsfähige Industrie, um nachhaltige Stoffkreisläufe weiter auszubauen?
Diesen Fragen widmete sich ein Vor-Ort-Termin des Kunststoffrohrverbandes (KRV) in Westeregeln (Sachsen-Anhalt) mit der Bundestagsabgeordneten Dunja Kreiser (SPD), Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz.
Fachlicher Dialog auf Augenhöhe
Dunja Kreiser bringt als gelernte Abwassermeisterin nicht nur politische Verantwortung, sondern auch fundierte praktische Erfahrung im Bereich Wasserinfrastruktur mit. Der Austausch vor Ort zeigte: Nachhaltige Infrastrukturpolitik gelingt besonders dann, wenn technisches Know-how und politische Entscheidungsprozesse eng verzahnt sind.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand der Produktionsstandort der Wavin GmbH in Westeregeln. Dort werden unter anderem:
- Trinkwasserrohre
- Druckrohrsysteme für Gas
- Kabelschutzrohre
- Abwasserlösungen
hergestellt.
Besonders eindrucksvoll ist die unmittelbare Nachbarschaft zur PreZero Kunststoffrecycling GmbH & Co. KG. Direkt angrenzend werden dort Kunststoffrohre recycelt. Das gewonnene Rezyklat fließt wieder in die Rohrproduktion ein. Hier wird deutlich: Kreislaufwirtschaft ist kein theoretisches Konzept, sondern gelebte Praxis.
Freiwilliges Engagement seit den 1990er-Jahren
Die Kunststoffrohr-Industrie engagiert sich bereits seit den 1990er-Jahren freiwillig für werkstoffliches Recycling. Ein bewährtes System:
Rohrhersteller stellen Gitterboxen bereit, die auf Baustellen mit sortenreinen Rohrresten befüllt und anschließend wieder eingesammelt werden. PE-, PP- und PVC-Rohre aus Gas-, Wasser- oder Abwasseranwendungen gelangen so zurück in den Stoffkreislauf.
Das Ergebnis ist ein qualitätsgesicherter, marktwirtschaftlich organisierter Recyclingprozess: technisch fundiert und normativ abgesichert.
Politischer Handlungsbedarf: Qualität vor Quote
Im Gespräch wurde deutlich: Die Branche steht klar zu Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Gleichzeitig müssen politische Instrumente praktikabel und sicherheitskonform ausgestaltet sein.
Starre Rezyklatquoten sehen wir kritisch, weil:
- Hochwertige Rezyklate aktuell nicht in ausreichender Menge verfügbar sind.
- Im Trinkwasserbereich und bei sicherheitsrelevanten Druckrohrsystemen strenge regulatorische Anforderungen gelten, die aus guten Gründen hohe Qualitätsstandards vorgeben.
Nachhaltigkeit darf nicht zulasten von Versorgungssicherheit und Infrastrukturqualität gehen.
Vergaberecht als strategischer Hebel
Statt Zwangsquoten braucht es intelligente Rahmenbedingungen. Ein liegt im Vergaberecht.
Die öffentliche Hand kann bei Ausschreibungen den CO₂-Fußabdruck stärker berücksichtigen und Recyclingmaterial dort fördern, wo es technisch sinnvoll und normativ zulässig ist. So entsteht gezielte Nachfrage, die Klima- und Umweltleistungen honoriert, ohne die hohen Sicherheitsstandards der Infrastruktur zu gefährden.
Gemeinsame Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette
Vor Ort diskutierten Sebastian Dieninghoff (Vertriebsleiter Kunststoffe, PreZero Deutschland), Frederik Lipskoch (Director PE Business, Wavin GmbH), Jörg Zielke (Prokurist Wavin, Standort Westeregeln) sowie KRV-Geschäftsführer Dr. Johannes Lis gemeinsam mit der Abgeordneten über die Weiterentwicklung funktionierender Stoffkreisläufe.
Die Kreislaufwirtschaft endet nicht am Werkstor. Einbauunternehmen, Stadtwerke, Handel und Abbruchunternehmen sind entscheidende Partner, um Kunststoffrohre nach dem Ausbau als wertvollen Rohstoff im System zu halten.
Kunststoffrohre sind Schlüsselkomponenten für Wasser, Energie, Digitalisierung und klimafeste Infrastruktur. Sie sind zugleich ein Beispiel dafür, wie industrielle Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Transformation zusammengedacht werden können.
Der KRV wird den Dialog mit Politik und Praxis weiter aktiv gestalten, für leistungsfähige Infrastrukturen und funktionierende Stoffkreisläufe.



