Unter dem Motto „Zukunft. Innovation. Wettbewerbsfähigkeit.“ haben wir am 29. September 2026 unsere KRV-Jahrestagung im Mainhaus Stadthotel in Frankfurt am Main veranstaltet. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutierten über die Zukunft der Infrastruktur, die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland und die entscheidende Frage: Wie werden aus angekündigten Investitionen konkrete Projekte?
Die zentrale Botschaft der Jahrestagung war eindeutig: Transformation braucht Infrastruktur – und Infrastruktur braucht politische Entscheidungen, verlässliche Rahmenbedingungen und vor allem Tempo.
Transformation findet nicht auf dem Papier statt
„Transformation findet nicht auf dem Papier statt. Sie braucht Leitungen, Netze, Speicher und moderne Rohrsysteme“, betonte Mario Frieben, Vorstandsvorsitzender des KRV, in seiner Begrüßung.
Kunststoffrohrsysteme sind Bestandteil zahlreicher Infrastrukturen – von der Wasser- und Energieversorgung über Digitalisierung und Klimaschutz bis hin zu Bau und Industrie. Damit Deutschland seine Transformationsziele erreichen und gleichzeitig industriell wettbewerbsfähig bleiben kann, müssen die notwendigen Infrastrukturen gebaut werden.
Wir sehen hier dringenden Handlungsbedarf. Wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und verlässliche Investitionsbedingungen sind keine politischen Nebenthemen. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen investieren, produzieren und Arbeitsplätze sichern können.
„Wo Fragen gestellt werden, brauchen wir wissenschaftliche Antworten. Wir stellen uns der Debatte, sachlich, transparent und auf Grundlage belastbarer Fakten“, so Frieben.
Infrastrukturpaket muss bei den Unternehmen ankommen
Welche wirtschaftlichen Impulse vom Infrastrukturpaket und von der Energiewende ausgehen können, erläuterte Eric Heymann von Deutsche Bank Research. Für 2026 erwartet er ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund einem Prozent, für 2027 hält er ein Wachstum von mehr als einem Prozent für möglich.
Das Sondervermögen für Infrastruktur sowie höhere Verteidigungsausgaben könnten zusätzliche Impulse setzen – unter anderem für den Tiefbau. Gleichzeitig verwies Heymann auf entscheidende Voraussetzungen: Die Mittel müssen tatsächlich abfließen, zusätzliche Investitionen auslösen und ihre Wirkung in der Realwirtschaft entfalten.
Genau hier setzt eine zentrale Forderung des KRV an: Aus politischen Ankündigungen müssen konkrete Ausschreibungen, Aufträge und Bauprojekte werden.
Denn ein Infrastrukturpaket allein baut noch keine Leitung, kein Netz und keine Anlage. Entscheidend ist, dass die Mittel tatsächlich dort ankommen, wo Infrastruktur geplant, ausgeschrieben und gebaut wird.
Wettbewerbsfähigkeit braucht industrielle Wertschöpfung
Dr. Christine Bunte von PlasticsEurope Deutschland beleuchtete die aktuelle Situation der deutschen Kunststofferzeugung. 2025 gingen Produktion, Umsatz und Beschäftigung gegenüber dem Vorjahr zurück.
Gleichzeitig liegen gerade in der Kreislaufwirtschaft erhebliche wirtschaftliche Potenziale. Die zirkuläre Bruttowertschöpfung könnte bis 2045 von rund 60 auf bis zu 125 Milliarden Euro steigen.
Damit diese Potenziale in Deutschland und Europa gehoben werden können, braucht es aus unserer Sicht einen wettbewerbsfähigen Industriestandort, geeignete politische Anreize und verlässliche Finanzierungsinstrumente.
Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und industrielle Wettbewerbsfähigkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die politischen Rahmenbedingungen müssen vielmehr ermöglichen, dass Innovation und Wertschöpfung hier am Standort stattfinden.
Nachhaltigkeit braucht belastbare Daten
Auch die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Umweltkommunikation standen im Mittelpunkt der Jahrestagung.
Dr.-Ing. Roland Meyer vom Institut für Nachhaltigkeit im Bauwesen (INaB) der RWTH Aachen sprang kurzfristig für Prof. Dr. Marzia Traverso ein. Er zeigte auf, dass Nachhaltigkeit insbesondere dann zu einem Wettbewerbsfaktor wird, wenn sie als Management- und Entscheidungsinstrument eingesetzt wird.
Seit dem 27. September 2026 sind die nationalen Umsetzungsregeln der EU-Richtlinie 2024/825 gegen irreführende Umweltaussagen anzuwenden. Aussagen zur Klimawirkung von Produkten müssen dabei stärker auf deren tatsächlichen Lebenszyklusauswirkungen beruhen.
Damit gewinnen belastbare Lebenszyklusdaten und Ökobilanzen weiter an Bedeutung. Für Unternehmen bedeutet das zugleich neue Anforderungen an Datenqualität, Nachweisführung und Kommunikation.
Energie, Digitalisierung und Innovation
Weitere Impulse kamen von Tarek Al-Wazir, MdB Bündnis 90/ die Grünen, zu den Antworten der Wirtschaft auf Energie- und Strukturkrisen sowie von Daniel Föst, ZVSHK , zu den Auswirkungen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz auf das SHK-Handwerk.
Deutlich wurde dabei: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht allein durch politische Rahmenbedingungen. Auch Unternehmen müssen ihre Prozesse weiterentwickeln, Innovationen vorantreiben und die Chancen neuer Technologien nutzen.
Fünf Start-ups zeigten anschließend, welche neuen Ideen und Technologien bereits heute entlang der Wertschöpfungskette entstehen. Ihre Beiträge machten deutlich, dass Innovation nicht erst in ferner Zukunft stattfindet, sondern bereits konkrete Lösungen für die Herausforderungen von morgen hervorbringt.
Trinkwasser: Regulierung muss praxistauglich sein
Ein weiterer Schwerpunkt der Jahrestagung war die Umsetzung der EU-Trinkwasserrichtlinie.
Ludo Debever von der europäischen Organisation TEPPFA erläuterte die anstehenden regulatorischen Veränderungen. Die Übergangsphase für Produkte beginnt am 1. Januar 2027 und endet am 31. Dezember 2032.
Aus Sicht von TEPPFA besteht zum Start das Risiko regulatorischer Engpässe. Ein wesentlicher Punkt ist dabei die zunächst nur eingeschränkte Nutzbarkeit der Europäischen Positivliste.
Für die betroffenen Unternehmen bedeutet das: Die regulatorischen Anforderungen müssen nicht nur ambitioniert, sondern auch klar, umsetzbar und rechtzeitig planbar sein. Nur dann können Hersteller und Anwender ihre Investitionen entsprechend ausrichten.
Mikroplastik im Trinkwasser: Fakten statt Vermutungen
Wie wichtig eine wissenschaftlich belastbare Betrachtung ist, zeigte der Beitrag von Dr. Nicole Zumbülte vom TZW – DVGW-Technologiezentrum Wasser.
Sie stellte Untersuchungen zu Mikroplastik in der Trinkwasserversorgung vor. In den untersuchten Wasserwerken lag der Mikroplastikgehalt am Wasserwerksausgang in der Regel unterhalb der Bestimmungsgrenze. Die meisten nachgewiesenen Partikel waren kleiner als 20 Mikrometer und werden damit vom Delegierten Beschluss (EU) 2024/1441 nicht erfasst.
Für die Einordnung der Ergebnisse sind laut Zumbülte insbesondere Prozessblindwerte von entscheidender Bedeutung.
Gerade bei sensiblen Themen wie Trinkwasser zeigt sich, wie wichtig eine Diskussion auf Basis belastbarer Messmethoden und wissenschaftlicher Erkenntnisse ist.
Podiumsdiskussion: Vom Infrastrukturpaket zum konkreten Auftrag
Zum Abschluss des Fachprogramms wurde es grundsätzlich. Unter dem Titel „Infrastrukturpaket und Hausaufgaben der Unternehmen“ diskutierten Vertreter aus Wirtschaft und Industrie über die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.
Auf dem Podium saßen Eric Heymann, Senior Economist bei der Deutschen Bank, Dr. Ansgar Strumann, Geschäftsführender Gesellschafter von egeplast, Michael Weigelt, Geschäftsführer von TecPart e.V., sowie Ludo Debever von TEPPFA. Moderiert wurde die Diskussion von Bettina Dempewolf, Leiterin Kommunikation bei PlasticsEurope Deutschland e.V.
Im Mittelpunkt standen drei Themenbereiche:
Was muss geschehen, damit das Infrastrukturpaket tatsächlich zusätzliche Investitionen auslöst und nicht lediglich bestehende Haushaltsausgaben ersetzt? Und wann wird aus einer politischen Ankündigung ein konkreter Auftrag für ein Industrieunternehmen?
Welche Hausaufgaben müssen die Unternehmen selbst erledigen? Wo müssen Prozesse schneller, effizienter und innovativer werden – und in welchem Umfang können Produktivität und Innovation Standortnachteile ausgleichen?
Wie muss öffentliche Beschaffung ausgestaltet sein, damit neben dem Anschaffungspreis auch Lebensdauer, Qualität und langfristige Folgekosten berücksichtigt werden?
Gerade der letzte Punkt ist für die Rohrindustrie von besonderer Bedeutung. Wer Infrastruktur für Jahrzehnte baut, darf bei der Vergabe nicht ausschließlich auf den kurzfristig niedrigsten Preis schauen. Qualität, Lebensdauer und die langfristigen Kosten müssen stärker berücksichtigt werden.
Zum Abschluss richteten die Teilnehmer den Blick auf das Jahr 2030: Woran wird sich erkennen lassen, ob Deutschland bei Wettbewerbsfähigkeit und Infrastruktur wieder auf Kurs ist?
Die Zeit der Ankündigungen muss vorbei sein
Die Jahrestagung 2026 hat gezeigt, wie eng Infrastruktur, industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Energieversorgung, Nachhaltigkeit und Innovation miteinander verbunden sind.
Deutschland steht vor erheblichen Investitionsaufgaben. Gleichzeitig verfügt die deutsche und europäische Industrie über die Unternehmen, das Know-how und die Technologien, um einen wesentlichen Teil dieser Transformation umzusetzen.
Jetzt kommt es darauf an, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.
Wir setzen uns deshalb für verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Standortbedingungen, schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren und eine konsequente Umsetzung der angekündigten Infrastrukturinvestitionen ein.
Denn eines wurde in Frankfurt deutlich: Die Zeit der Ankündigungen muss vorbei sein. Aus Investitionsversprechen müssen konkrete Projekte werden – und aus Projekten gebaute Infrastruktur.
Die nächste KRV-Jahrestagung findet am 7. Oktober 2027 in Berlin statt.




