Der Kunststoffrohrverband (KRV) e. V. hat zum ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 (2025) Stellung genommen. Als Vertreter der deutschen Kunststoffrohrindustrie bewertet der KRV den geplanten Netzausbau aus einer system- und infrastrukturrelevanten Perspektive.
Der Netzentwicklungsplan ist ein zentrales Instrument für das Gelingen der Energiewende. Voraussetzung für seinen Erfolg ist ein ambitionierter, langfristig verlässlicher Ausbau der Stromnetze. Nach Auffassung des KRV enthält der vorliegende Entwurf jedoch mehrere kritische Punkte, die Versorgungssicherheit, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit des Netzausbaus gefährden können.
Netzausbau: Zurückstellung systemrelevanter Projekte problematisch
Kritisch sieht der Verband insbesondere die Zurückstellung zentraler HGÜ-Projekte wie NordWestLink (DC41) und OstWestLink (DC40). Diese Vorhaben sind entscheidend für die Entlastung bestehender Netzengpässe und die Integration erneuerbarer Energien. Verzögerungen im Netzausbau führen zu dauerhaft hohen Redispatch-Kosten und erhöhen das Risiko regionaler Netzüberlastungen.
Vor dem Hintergrund eines langfristig steigenden Strombedarfs – etwa durch Elektrifizierung, Wasserstoffhochlauf und Digitalisierung – warnt der KRV vor einer strukturellen Unterdimensionierung der Stromnetze.
Erdkabelvorrang bei HGÜ sichert Akzeptanz und Umsetzungsgeschwindigkeit
Der gesetzlich verankerte Erdkabelvorrang bei HGÜ-Leitungen ist aus Sicht des KRV ein zentraler Erfolgsfaktor für Akzeptanz, Planungssicherheit und schnelle Genehmigungsverfahren. Eine Relativierung dieses Vorrangs, wie sie im Entwurf des Netzentwicklungsplans angelegt ist, widerspricht den eigenen Zielsetzungen des Plans.
Erdkabel weisen nachweislich eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz auf und reduzieren Klagerisiken sowie Genehmigungsdauern. Abweichungen – etwa beim SuedWestLink (DC42/DC42+) – würden neue Konflikte erzeugen und den Netzausbau weiter verzögern.
Systemkosten statt reiner Investitionskosten betrachten
Der KRV spricht sich gegen eine verkürzte Kostenbetrachtung aus, die sich ausschließlich auf Investitionskosten pro Kilometer konzentriert. Für eine volkswirtschaftlich effiziente Bewertung des Netzausbaus müssen die Systemkosten über den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt werden. Dazu zählen insbesondere:
- dauerhaft hohe Redispatch-Kosten bei verzögertem Ausbau,
- Kosten durch Klagen, Umplanungen und Genehmigungsrisiken,
- Zusatzkosten hybrider Lösungen.
Resilienz und Schutz kritischer Energieinfrastruktur
Erdkabel in Kunststoffrohrsystemen leisten einen wichtigen Beitrag zur Resilienz und Sicherheit kritischer Energieinfrastruktur. Sie sind besser in bestehende Infrastrukturen integrierbar, weniger exponiert gegenüber Extremwetterereignissen und ermöglichen eine digitale Überwachung.
Forderungen des Kunststoffrohrverbandes
Vor dem Hintergrund bereits getätigter Investitionen der Kunststoffrohrindustrie fordert der KRV:
- die konsequente Beibehaltung des Erdkabelvorrangs bei HGÜ-Projekten,
- keine Zurückstellung systemrelevanter Netzausbauvorhaben,
- eine vollständige Systemkostenbetrachtung,
- verlässliche und langfristige Ausbaupfade für den Stromnetzausbau.
Erdkabel sind eine zentrale Voraussetzung für eine sichere, schnelle und akzeptierte Energiewende. Ein Netzentwicklungsplan, der Akzeptanz riskiert und zentrale Projekte verzögert, gefährdet Tempo, Wirtschaftlichkeit und Vertrauen. Hier gibt es die komplette Stellungnahme des KRV:



